Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie



Auf Initiative des Instituts erscheint ab April 2014 halbjährlich die Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie. Die im Walter De Gruyter Verlag erscheinende Zeitschrift ist ein allgemeines wissenschaftliches Forum für sozialtheoretische Debatten mit kritischem Anspruch. Sie greift damit ein Konzept der Kritischen Theorie auf, unterschiedliche Disziplinen wie Philosophie, Soziologie, Psychologie, Geschichtswissenschaft sowie Kultur- und Medienwissenschaften mit der Kritik der politischen Ökonomie auf der Höhe der Zeit zusammenzuführen, ohne sich selbst dabei auf eine bestimmte Tradition kritischer Gesellschaftstheorie zu beschränken. Vielmehr sollen unter-schiedliche, auch kontroverse Positionen miteinander ins Gespräch gebracht werden. Die Zeitschrift nutzt für die Auswahl der Artikel ein doppelt verdecktes Begutachtungsverfahren.




Herausgeber
Ingo Elbe, Oldenburg
Sven Ellmers, Oldenburg
Christoph Hesse, Berlin
Oliver Schlaudt, Hannover
Falko Schmieder, Berlin

Redaktion
Ingo Elbe, Oldenburg
Sven Ellmers, Oldenburg
Jan Eufinger, Bochum
Christoph Hesse, Berlin
Florian Hessel, Bochum
Oliver Schlaudt, Hannover
Falko Schmieder, Berlin

Kontakt: zsp@degruyter.com

Wissenschaftlicher Beirat
Andreas Arndt, Berlin
Thomas Bedorf, Hagen
Christine Blättler, Kiel
Matthias Bohlender, Osnabrück
Detlev Claussen, Hannover
Helmut Dahmer, Wien
Oliver Flügel-Martinsen, Bielefeld
Gideon Freudenthal, Tel Aviv
Raymond Geuss, Cambridge
Maurice Godelier, Paris
Hermann Haarmann, Berlin
Michael Heinrich, Berlin
Helmut Heit, Berlin
Martin Jay, Berkeley
Cornelia Klinger, Tübingen
Friedrike Kuster, Wuppertal
Stephan Lessenich, München
Susanne Lüdemann, Chicago
Günther Mensching, Hannover
Jannis Milios, Athen
Moishe Postone, Chicago
Smail Rapic, Wuppertal
Jürgen Ritsert, Frankfurt am Main
Hartmut Rosa, Jena
Matthias Rothe, Minnesota
Ulrich Ruschig, Oldenburg
Samuel Salzborn, Gießen
Hans-Ernst Schiller, Düsseldorf
Michael Städtler, Münster
Christine Zunke, Oldenburg

cfp Heft 6: Materialistische Ästhetik

Seit Baumgarten den Begriff im 18. Jahrhundert im Deutschen etabliert hat, steht die Ästhetik in dem unverdienten Ruf, eine Domäne idealistischen Denkens zu sein. Heute wiederum steht der längst verstorbene Idealismus in so schlechtem Ruf, dass jeder erklärtermaßen materialistische Zugriff auf die Kunst und die Künste mit der ästhetischen Tradition leichtes Spiel zu haben scheint. Die Marxisten, die sich dabei als erste hervorgetan haben, sind lange wieder verschwunden, manche auch nur hinter neuen Namen, die sie nunmehr als Kulturtheoretiker dieser oder jener Provenienz ausweisen. Wer sich heute auf dem Gebiet der Ästhetik umschaut, wird, von wenigen altmodischen Ausnahmen abgesehen, überhaupt nur noch Materialisten finden, die sich zumindest darin einig würden, dass Kunst, deren Produktion ebenso wie Rezeption, als eine Art von Praxis zu begreifen sei: als semiotische oder diskursive, vorzugsweise subversive, als mediale, durch ein bestimmtes Medium erst hervorgebrachte oder als im weitesten Sinn soziale Praxis, die der kundige Forscher irgendeinem ‚Feld‘ zuschieben kann. Oder aber als kognitiver Prozess: denn Anspruch auf eine materialistische Auffassung von Kunst erheben selbstverständlich auch empiristische und kognitivistische Untersuchungen bis hin zur sogenannten Neuroästhetik. Was in all den ansonsten recht unterschiedlichen, auch in unterschiedlicher Hinsicht materialistischen Ästhetiken merkwürdig selten zur Sprache kommt, ist allerdings das ästhetische Material selbst (Sprache, Klang, Farbe, etc.) und dessen jeweils besondere Organisation. In dieser Hinsicht erweist sich die fragmentarisch überlieferte Ästhetische Theorie Adornos, postum 1970 veröffentlicht, gerade dadurch als materialistisch, dass sie, scheinbar ganz konservativ, von den materiellen Ermöglichungsbedingungen ebenso wie von möglichen Wirkungen der Kunst zunächst absieht und sich stattdessen dem spezifisch geformten Material der Werke zuwendet. Darin nämlich, im immanenten Formzusammenhang eines Werks, in der Stimmigkeit (oder Unstimmigkeit) seiner Gestaltung, sei auch das Soziale der Kunst allererst zu suchen. Wer das solcherart Vergegenständlichte sogleich auflösen wollte wie ein Rätsel, hätte das der Kunst von vornherein missverstanden.

Für das Heft 6 (Nr. 2/2016) bittet die Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie um Beiträge, die sich mit Fragen einer materialistischen Ästhetik im oben angedeuteten Sinne befassen, sei es mit theoretischen und begrifflichen (Material, Form, Werk, etc.), vorzugsweise in Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Ästhetiken oder mit Problemen der gegenwärtigen Kunst und einzelner Künste im Besonderen. Ästhetiken und Künste, die sich weitgehend von den Fragestellungen der klassischen Moderne entfernt haben, sich gegenüber der Kulturindustrie und der alltäglichen Wirklichkeit öffnen und insofern über den Materialstand, von dem Adornos Ästhetische Theorie ausgeht, hinausweisen (oder hinter ihn zurückfallen). Auch hieraus können sich freilich weiterreichende theoretische Fragen ergeben, etwa nach dem Zusammenhang von gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen auf der einen sowie Veränderungen der künstlerischen Produktion und der Autonomie von Kunst auf der anderen Seite – eine Kunstautonomie, die vorausgesetzt werden muss, wenn man eine Kulturindustrie, die längst allgegenwärtig erscheint, von ihr unterscheiden will.

Herausgeber des Themenschwerpunktes sind: Christoph Hesse (Berlin), Isabelle Klasen (Bochum), Magnus Klaue (Leipzig) und Martin Schneider (Hamburg).

Artikel sollten
-  in Deutsch oder Englisch verfasst sein;
-  einen Abstract in Deutsch und Englisch sowie kurze Angaben zur Autorin bzw. zum Autor enthalten;
-  maximal 50.000 Zeichen umfassen;
-  für anonyme Begutachtung vorbereitet sein.
-  per Mail gesendet werden an chhesse@zedat.fu-berlin.de oder isabelle.klasen-b28@rub.de

Abstracts (max. 2 Seiten) werden bis zum 1. September 2015 erbeten, die fertigen Beiträge bis zum 31. Januar 2016. Weitere Hinweise für Autoren und Informationen zur Zeitschrift finden Sie unter http://www.degruyter.com/view/j/zksp

cfp Vol. 3, no. 1: Materialist Aesthetics

Since Baumgarten established the term in German philosophy in the mid-18th century, aesthetics undeservedly cherishes the reputation of being a domain of idealist thinking. Today, though, idealism itself, long-since deceased, enjoys such a bad reputation, that any declaredly materialist grip on art and the arts might easily wash away the entire aesthetic tradition. The Marxists, who went ahead first on this terrain, have already disappeared, some of them behind new names only, meanwhile rather posing as cultural theorists of whatever provenance. Nonetheless, the whole realm of aesthetics, apart from a few old-fashioned exceptions, now seems to be firmly dominated by self-professed materialists who would at least agree on an understanding of art, as to both its production and reception, as some sort of practice: semiotic, discursive, preferably subversive, media-related or social practice in the broadest sense of the word, which versed scholars might comfortably assign to a certain social ‘field’. Or, also, as a cognitive process, since of course empirist and neuroscientific aesthetics too lay claim to a materialist explanation of art. Curiously enough, however, all these otherwise quite different materialist theories remain conspicuously oblivious to the aesthetic material itself (language, sounds, colours, etc.) and its specific structuring in a particular artwork. In this regard, Adorno’s fragmentary Aesthetic Theory, posthumously published in 1970, proves most materialist in that it, apparently rather conservative, abstains from both the practical conditions and the possible effects of art and instead turns towards the artwork’s specifically formed material. According to Adorno, it is the immanent structure of a work of art, namely, its consistency (or inconsistency), which also reveals its very social nature.

The Journal for Critical Social Theory and Philosophy is inviting contributions dealing with questions of materialist aesthetic theory today, discussing either conceptual problems (material, form, artwork, etc.), maybe in analysis of current academic aesthetics, or topics of contemporary art and distinct arts in particular. Since both aesthetics and the arts have widely departed from questions of classical modernism and in return opened up to the culture industry and everyday life, they have also transcended (or fallen behind) Adorno’s point of departure. One might therefore, for instance, explore the relationship of social and economic conditions on the one hand and alterations in artistic production on the other―including the question of the autonomy of art which, in the face of an all-encompassing culture industry, seems impossible but yet indispensable.

This particular issue will be edited by Christoph Hesse (Berlin), Isabelle Klasen (Bochum), Magnus Klaue (Leipzig) and Martin Schneider (Hamburg). Articles should
- be written in German or English;
- include an abstract (if the article is written in German, in both German and English) along with a short biographical note on the author;
- not exceed 50.000 characters;
- be prepared for anonymous review;
- be sent to chhesse@zedat.fu-berlin.de or isabelle.klasen-b28@rub.de

Please submit your abstracts (max. 2 pages) until September 1, 2015. Full articles are being expected until January 31, 2016. For further information please visit http://www.degruyter.com/view/j/zksp